Obere Zeichnung:
Mediansagittalschnitt durch das Vorderhirn eines Halbaffen (Lemur macaco). Mediale Oberfläche der rechten Hemisphäre von der Mitte zwischen den beiden Hemisphären aus gesehen. Als schwarze, lang gezogene Struktur liegt in der Mitte das sogenannte Corpus callosum (sog. „Balken“), das bei der Trennung beider Hemisphäre voneinander durchschnitten wurde. Der Balken ist eine Ansammlung von Nervenfasern, die beide Hemisphären miteinander verbindet. Die säbelzahnartige feine Struktur, die von der Mitte des Balkens aus nach unten zieht, stellt einen Faserstrang (Fornix) dar, der Signale aus dem Hippocampus (siehe Abb. 24-25) zu anderen Hirngebieten leitet. Mit schwarzen Dreiecken ist der primäre somato-sensorische (Berührung-, Druck-, Temperatur- und Schmerzwahrnehmung), mit dicken schwarzen Punkten der primäre motorische Kortex markiert. Er steuert Nervenzellen in den Basalganglien, dem Hirnstamm und Rückenmark. In der großflächig gepunkteten Struktur am hinteren Ende der Hemisphäre befindet sich der primäre visuelle (Sehwahrnehmung) Kortex. Die mit großen und kleinen Kreuzen versehene Struktur ist der zinguläre Kortex, ein Teil des limbischen Systems, das unter anderem an emotionalen Reaktionen beteiligt ist. In der anatomischen Nomenklatur nennt man diese Hirnwindung den Gyrus cinguli. Die Zeichnung ist eine Vorstufe der Abbildung 99 in der berühmten Monographie „Vergleichende Lokalisationslehre der Großhirnrinde in der Hirnrinde“ von Brodmann aus dem Jahr 1909.
Untere Zeichnung:
Lateralansicht auf die linke Hemisphäre eines Lemur macaco, der zu den Halbaffen gezählt wird. Bereits klare Unterteilung des präfrontalen Kortex in die Areale 8-9, des motorischen Kortex in die Areale 4 (primär motorische Kortex) und 6 (prämotorischer Lortex), des somatosensorischen Kortex in das Areal 1 (später wird Brodmann hier eine Dreiteilung in die Areale 1-3 vornehmen), und der parietalen Areale 5 und 7. Im hinteren Teil des Großhirns (Occipitallappen) liegen hier unbeschriftet, aber markiert die Areale 17-19 (visueller Kortex). Die große, fein gepunktete Fläche ist Area 17 (primäre Sehrinde). Hier erfolgt die Verarbeitung der optischen Signale aus dem Sehnerv nach Umschaltung im Zwischenhirn. Die davor liegenden und unterschiedlich markierten Streifen sind die Areale 18 und 19. Diese Zeichnung ist die Grundlage von Bild 98 in Brodmanns großer Monograhie “Vergleichende Lokalisationslehre der Großhirnrinde” von 1909.


Obere Zeichnung:
Mediale Oberfläche der rechten Hemisphäre einer nicht bezeichneten Species (wahrscheinlich Fliegender Fuchs, Pteropus edwardsi). “Am” im gelben Kreis bezeichnet das Corpus amygdaloideum, einen Teil des limbischen Systems, der u.a. Angstgefühle ermöglicht. Die Amygdala liegt im vordersten und medialen Teil des Temporal(Schläfen)lappens; der laterale Teil enthält v.a. den auditorischen Kortex (Hörwahrnehmung, Teil unseres Sprachsystems). Der große schwarze Fleck zeigt die Lokalisation der Commissura anterior, eines Faserstranges, der die beiden Temporallappen und Teile des Frontallappens über der Augenhöhle miteinander verbindet. Die Commissura anterior ist beim Menschen viel kleiner, da sie dort die relativ zur Gesamthirngröße reduzierten Anteile der Althirnrinde (Archi- und Palaeokortex) beider Hemisphären miteinander verbindet; dafür ist der Balken beim Menschen (siehe Abbildung 1) viel größer, da er die in der Evolution des Menschen sehr stark angewachsene Neuhirnrinde (Neokortex) beider Hemisphären miteinander verbindet.
Untere Zeichnung:
Lateralansicht des Gehirns einer nicht näher bezeichneten Spezies. Der große rote Streifen bezeichnet die Lage des sekundären visuellen Kortex (Area 18 nach Brodmann), der visuelle Information u.a. aus dem primären visuellen Kortex (Area 17 nach Brodmann) erhält.


Diese Zeichnung zeigt angeschnitten einen Teil des Endes des Balkens und angrenzende Teile der Regio retrosplenialis (Brodmann Areale 29 und 30) und des Induseum griseum (Brodmann Areal 33). Die Area 33 ist die stark reduzierte Fortsetzung des Hippocampus hinter und auf dem Balken. Die Zeichnung wurde anhand eines Gehirns vom Lemur erstellt, der zu den Halbaffen zählt. (Anmerkung oben: Lemur Reg. retrosplen)


Medialansicht auf die rechte Hemisphäre eines Gehirns des Wickelbärs (Cercoleptes caudiovolvulus). Kleine Punkte primär visueller Cortex, übrige Markierungen Riechhirn und entorhinaler Kortex.


Obere Zeichnung:
Lateralansicht der linken Hemisphäre eines Kängurus (Macropus pennicillatus). Blau markiert ist hier der primäre motorische Kortex (Area 4 nach Brodmann).
Untere Zeichnung:
Medialansicht auf die rechte Hemisphäre eines Kängurus (Macropus pennicillatus). Die Hemisphäre steht auf dem Kopf, da Brodmann sie passgenau als mediale Fortsetzung der Lateralansicht derselben Hemisphäre in Abbildung 5 gezeichnet hat. Mit “Am” ist die Amygdala, ein Teil des limbischen Systems markiert.


Obere Zeichnung:
Lateralansicht der linken Hemisphäre eines Schnabeltieres (Ornithorhynchus paradoxus, auch Platypus anatinus genannt). Platypus kommt nur in Australien vor und ist zusammen mit Echidna (Schnabeligel) der einzige, nicht ausgestorbene Vertreter der eierlegenden Säugetiere (=Monotremata). Der Rest der Brodmann‘schen Beschriftung bezieht sich auf anatomische Besonderheiten (fehlende Fissura Sylvii = s; Ausprägung des Sulcus rhinalis = rha, rhm und rhp). Da Platypus zoologisch eine Sonderstellung einnimmt, ist dies ein gutes Beispiel für das breite neuroanatomische Konzept in Brodmann‘s Aktivitäten. Tol = Tuberculum olfactorium, das ein Teil des Riechhirns ist und beim Menschen im Vergleich zum Gesamthirn viel kleiner ist.
Untere Zeichnung:
Medialansicht der linken Hemisphäre einer nicht identifizierbaren Spezies mit Erläuterung zur Homologie einer Hirnfurche („rhp ist zweifellos nicht homolog dem rhp anderer…“ und „x = Tiefe Furche mit weiter Einziehung des umgebenden Randes“). rhp ist Abkürzung für Sulcus rhinalis posterior.

 

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